
Gedankenanstöße…….
von Sven, Angelführer im Langenuen Motel og
Camping – Stord/Norwegen
Nun startet sie bald, die neue Saison 2008 - wir alle sind wohl kribbelig
auf Norge, Fjorde, See und Fisch.
In all die Euphorie hinein mag ich mal den einsamen Rufer in der Wüste
machen - damit es auch ein unfallfreies Jahr 2008 bleibt und Angeln in Norge
zum Abenteuer wird - aber nicht Bootsausflüge zum Lebenabenteuer werden.
Warum schreibe ich? Weil ich mit Grausen an jede Saison denke, weil ich
Fransen am Maul habe - und mich immer wieder wunder - wie " saublöde
leichtsinnig " Angler sein können. Also sind dies hier Zeilen aus Erfahrung
- aus dem Wissen - die Rettungselfen in Norge schieben jede Saison
Hochleistungsschichten.
Fangen wir mal an:
1. Bekleidung / Ausrüstung
Jedes Jahr wird Geld ohne Ende für Angelgerät ausgegeben - manchmal Dinge
angeschafft, die scheinbar in keinem Verhältnis Preis/Leistung mehr stehen -
und dem Fisch am Ende eh egal sind.
Das Stiefkind dabei ist, nach meinen Beobachtungen, die wirklich sinnvolle
Bekleidung und persönliche Rettungsausrüstung.
Was kostet ne gute Rute und Rolle und was der zwar einfache - aber bereits
wirksame Floater ? Sicher gibt es auch hier Abstufungen - aber nach meinem
Dafürhalten hilft ein einfacher Floater sehr viel, jedenfalls mehr als die
immer wieder bestaunte Wetter „absink" Verkleidung die immer noch den
Löwenanteil der Kleidung macht.
Diese Diskrepanz geht nicht in meinen dummen Kopf - warum ist das eigene
Leben keinen Cent wert - das Angelzeugs aber ein Vermögen?
Rettungswesten: natürlich halten heutzutage fast alle Vermieter von Booten
Westen vor, doch die eigene kann nun mal genau abgestimmt sein und es ist
wies ist, eigener Herd ist Goldes wert. Schaue ich mir die Preise an, für
Automatikwesten, hat sich in den letzten Jahren dort viel getan , zu Gunsten
des Bootswilligen - jedenfalls ist ne Avet teurer .
Aber was nützt alle Bekleidung und Ausrüstung, wenn das Elend vor Ort
beginnt.
Wie oft wird Sicherheitskleidung bei gutem Wetter abgelegt, abenteuerlich
drapiert oder gar an Land gelassen (" ist ja zu warm - da schwitz ich ja wie
ein Affe...")
Jede Wette - ein Sturz bei schönem Sonnenwetter in einen kalten Fjord, ( die
erwärmen sich bekanntlich langsamer - vom Meer ganz zu schweigen ) führt auf
Grund der Körperwärme schön rasch zum Tod durch Kälteschock.....einschlägige
Studien liegen ja vor. Ich verrate mal einen Geheimnis - lieber schwitze ich
an Bord - und dusche anschließend - als das ich bei dem einmal von tausend
hinterher die letzte Ölung kriege.....
2. Boote und deren Bedienung
Klar, für ein anständiges Boot ist der Vermieter zuständig und auch für
deren technische Sicherheit und Ausrüstung.
Doch was ist denn Pannenfaktor und Einschleppgrund Nummer eins?
Spritmangel ! gefolgt von Falschbetankung und Bediehnfehlern !
Und das liegt meistens doch in der Hand des Mieters.
Darum, besteht auf eine klare Bootseinweisung - kein Schritt in den Kahn,
wenn nicht absolut klar ist, wie funktioniert das Teil.
Bei Sprachschwierigkeiten - nachfragen - versuchen ( notfalls gehen Hände
und Füße ) es gibt keine blöden Fragen - weil Leben dran hängen können.
Tägliche Kontrolle des Bootes, egal ob " wir haben doch gestern getankt und
sind nicht viel gefahren..."
" gestern lief doch alles...."
Ist nicht - die Verantwortlichkeit ist wie beim Autofahren - vor JEDEM
Fahrtantritt - und Wasser verzeiht keine Fehler.
Dazu kommt auch, Boot ist nicht gleich Boot - wie oft gehört " bin all die
Jahre Boot gefahren .." Auf Nachfrage - ganz andere Typen - teilweise ganz
andere Antriebs- und Rumpftechniken - da ist Bruch und Gefahr dann
vorbestellt.
Also nochmals, selbst wenn das Boot identisch im Typ ist, fragt nach
Eigenarten und Besonderheiten .....es gibt sie garantiert.
3. Einstellungen
Was mir Kopfzerbrechen macht: warum glauben viele Urlauber, der Wettergott
würde für sie Ausnahmen machen ?
Wenn die Daycruiser der Norweger unter Land gehen oder in den Anlegern
bleiben, dann geht noch ne 13ft. Angeljolle mit 9,9 PS raus - nun rate wer
das Ding steuert?
Immer wieder selbst beobachtet - und ich frage mich warum.
Muss ich denn bei jedem Wetter fahren bis ich am Ende des Ozeans von der
Erdenscheibe stürze ?
Ich habe mir einen Rat eines Einheimischen mal zu Herzen genommen : " Warum
fahren alle bis New York - wir fangen Fisch immer hier vor Tür. "
Das merkwürdige - seitdem sind meine Spritkosten im Boot gesunken und die
Fischmenge gestiegen....
Überall in Norge sind Zeitungen zu haben und auf jeder Hytta gibt es
heutzutage TV - selbst wenn man des norwegischen nicht doll mächtig ist -
die Zeichen des Wetters sind doch sehr international.
Und wie gesagt, das Ausbleiben norwegischer Boote hat meistens einen
tieferen Sinn.
Auch ein Wort zu norwegischen Mietbooten - Norweger verstehen vielfach unter
Angeln etwas anderes als wir....nicht das den ganzen Tag sich herumtreiben
auf See und Fisch, Fisch, Fisch.
Für sie bedeutet Angeln meist: kurz raus, Fisch fürs Mittag und ab nach
Hause.
Und dementsprechend ist vielfach auch die Philosophie der Boote - einfach,
schlicht, genügend für schön Wetter.
Nun kann man sicher hin- und her diskutieren, sie müssten, sollten etc.
Der Fakt besteht aber nun mal so - und man sollte das nie vergessen -
Allwettertaugliche Boote sind nicht die Norm - also sollte man nicht
versuchen, sie dazu zu machen.
Ich habe da ein Kredo: " Der beste Fisch ist das ganze leben, den Tod nicht
wert...."
Ein Wort zu Alkohol - nochmals, dass gehört nicht an Bord - und nach meinem
Dafürhalten nicht nur für den Mann am Ruder.....mag eine extreme Sicht der
Dinge sein......darum nennt sich der Beitrag ja auch " Gedankenanstöße "
4. Wahl der Angelreviere
weiter oben schon mal angeschnitten - doch nochmals vertieft.
wählt eure Reviere unter folgenden Gesichtspunkten :
Hin- und Rückfahrt sollten mit der " normalen " Tankfüllung möglich
sein.....wenn ich schon extra Tanks brauche kann doch was nicht stimmen in
der Planung.
Witterungsumschläge sollten " abgewettert " werden können - sprich - ein
geschützter Nothafen sollte jederzeit erreichbar sein.
Augen gen Himmel und Kimm und auf die See - Norwegen ist nun mal bekannt für
unbeständige Witterungslagen, insbesondere sehr kleine regionale "
Wetterküchen ".
Ein sich langsam kräuselnder Fjord, dass zuziehen am Horizont und
eingeschränkte Sicht auf die Kimm, sollten zum Nachdenken bewegen – und zwar
nicht über die nächste Köderwahl.
Dazu gehört auch - norwegische Privatanleger sind in solchen Momenten
nutzbar - kaum ein Besitzer wird sich erregen, wenn man in einer
Unwetterfront seinen Liegeplatz nutzt (sauberes Verlassen setzen wir einfach
mal voraus)
Ich sah schon Boote fast absaufen - und Norweger auf ihren Anlegern den
Hampelmann machen...um sich am Ende die Faust an die Stirn zu rammen.
Schifffahrtswege, Norwegen ist nun mal ein Land der Regionalfähren - und
diese werden grösstenteils immer moderner, mit Antriebsarten die sich
gewaschen haben.
Klar haben die alle notwendigen nautischen Hilfsmittel an Bord, sind in der
Lage schnelle Manöver zu fahren - und ihre Kapitäne haben keinen
Freifahrschein.
Und trotzdem frage ich mich - warum muss sich immer wieder ein Angelboot so
legen, dass es Konflikte geben kann ....auf fast allen Karten sind die
Fährlinien heutzutage eingezeichnet.
Und wenn man driftet ist der klar im Vorteil, der mal schaut wohin....
Soweit Dinge die mir einfallen, Dinge die mir so manchen magenschwachen
Moment 2007 gemacht haben.
Nun soll diese Infos nicht heißen - alle
Angeltouristen , insbesondere die deutschen sind Idioten und Chaoten - wer
das liest - der möge sich entspannen und neu lesen.....
Genau so wenig heißt es, jeder Norske Skipper ist Olav der Heilige - da sind
auch nette Erik Blodaxt drunter.....
Es geht mir darum, kurz vor Saisonstart mal zum Nachdenken anzuregen - damit
wir alle ein unbeschwertes Jahr verbringen - ohne oder mit weniger Meldungen
:" Seenot in, um...." und im nächsten Winter hier nur über den Berichten von
dicken Fischen und schønster Natur schwelgen.
In dem Sinne : euch allen eine tolle Saison 2008 - und möge jeder fangen was
er sich vorgenommen.
PS: die mit SZ gestempelten Fische sind bestellt und wieder zu entlassen
......Zuwiderhandlungen stellen eine Straftat dar und werden mit Regen
verfolgt.